[Originally in: English]
Ein Vortrag von Mèhèza Kalibani an der Bauhaus-Universität-Weimar im November 2022
Mit der Erfindung des Phonographen im Jahr 1877 wurde der Ton nicht nur zu einem musealen Artefakt im europäischen ethnologischen Kontext, sondern diese Erfindung bot auch neue Möglichkeiten für Wissenschaftler bei ihrem Versuch, die so genannten "Primitiven" zu studieren. Dabei behaupteten die europäischen Ethnologen, dass die Kultur dieser sogenannten "Primitiven" durch den Kontakt mit Europa verschwinden sollte. In einer Logik der Rettung arbeitete das Berliner Phonogramm-Archiv mit Ethnologen, Linguisten, Musikwissenschaftlern, Kolonialbeamten usw. zusammen, um so viele außereuropäische Tonaufnahmen wie möglich zu erhalten. Der Vortrag kontextualisiert diese Art von Aufnahmen als wichtigen Teil einer kolonialen Wissensproduktion und als Unterstützung des deutschen Kolonialismus. Er kontextualisiert diese Aufnahmen und ihre Prinzipien als Spuren eines "kolonialen Ohrs", das heißt einer konstruierten akustischen Repräsentation des "Anderen".